Der Stern-Garagenhof in Chemnitz ist eines der ersten Parkhochhäuser in Deutschland und zählt zu den bedeutendsten noch erhaltenen Hochgaragenbauten aus den 1920er Jahren.

Ende der 1920er Jahre wuchs der Bestand  an Kraftfahrzeugen in der prosperierenden Industriestadt Chemnitz schnell an. Im dichtbebauten Innenstadtbereich mit schmalen Straßen und Häusern, die bis zu drei Hinterhöfe hatten, war an Parkplätze nicht zu denken. Aber auch in den wohlhabenderen Villenvierteln, wie dem Chemnitzer Kaßberg, waren Unterstellmöglichkeiten für Autos nicht eingeplant.

Auf dem Gelände einer Kohlengroßhandlung in Zentrumsnähe an der vielbefahrenen Zwickauer Straße ergab sich 1928 die Möglichkeit, eine Großgarage zu errichten. Es war nicht der erste Garagenhof der Stadt, aber es sollte der repräsentativste und größte werden. Die Chemnitzer Architekten Luderer & Schröder taten sich mit dem Regierungsbaumeister Hans Schindler zusammen und planten einen sechsstöckigen Bau im Stil der Neuen Sachlichkeit.

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Der Bau im Stil der Neuen Sachlichkeit hat sich bis heute seinen Charme erhalten.

Noch im selben Jahr, im Oktober 1928, wurde der Garagenhof in Betrieb genommen. Die heute üblichen Auffahrtrampen beanspruchen viel Raum. Um eine maximale Zahl der Stellplätze zu erreichen, wurden stattdessen drei Aufzüge vorgesehen, mit denen die Fahrzeuge zu den Stellplätzen im Gebäude befördert wurden. Die heute noch unverändert vorhandenen Aufzüge mit 2,60 m x 6 m Größe erlaubten auch den Transport größerer Fahrzeuge und kamen der betuchten Klientel der Umgebung entgegen.

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Mit drei Aufzügen wurde die Fahrzeuge in die oberen Etagen gebracht.

Zusätzlich bot der Garagenhof zahlreiche weitere Service-Möglichkeiten. Es gab eine Werkstatt, einen Vulkanisierbetrieb für Reifen, auf jeder Etage zwei Waschplätze sowie ein Restaurant und einen kleinen Hotelbereich.

Insgesamt gab es mehr als 300 Stellplätze. In der ersten Etage waren die Stellplätze einzelne Boxen, die mit Rolltoren geschlossen werden konnten. Geparkt und gewartet wurden die Fahrzeuge von etwa 30 Angestellten der Betreibergesellschaft.

Eine Besonderheit hat das Gebäude noch. Die heute sichtbare Turmseite des Gebäudes war ursprünglich der Hinterhof. Es war geplant, die Hauptstraße auf die jetzige Rückseite des Gebäudes zu verlegen. Deshalb wurde auch dort die Schmuckfassade mit durchgängig verglasten Fensterbändern angelegt. Die Straße blieb auf der Nordseite des Baus. Doch auch diese Fassadenseite hat von ihrem Charme der Zwanziger nichts eingebüßt.

Der Garagenbetrieb lief bis 1941. Danach wurde das Gebäude als Lager beansprucht. Bei den alliierten Bombenangriffen  im Februar und März 1945 blieb der Bau strukturell intakt und wurde nach dem Krieg wieder als Lager genutzt. Aber auch die Autos kehrten zurück. Bis Mitte der 1980er Jahre nutzte der Fahrdienst des Rates des Bezirkes Karl-Marx-Stadt die Parkboxen der ersten Etage. Heute befindet sich im Erdgeschoß das Museum für sächsische Fahrzeuge. In den oberen Etagen nutzt ein Möbelhaus die noch vorhandenen Parkboxen zur Demonstration der Einrichtungsgegenstände.

Ende der 1920er Jahre wuchs der Bedarf an Unterstellmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge schnell an. Insbesondere wohlhabendere Gesellschaftsschichten  benötigten sichere Unterstellplätze für ihre Luxuskarossen.
Neben dem Kant-Garagenpalast in Berlin (1930) und der Südgarage in Halle (1929) war der später von der Firma Stern betriebene Garagenhof in Chemnitz eine der bedeutendsten Einrichtungen des neuen Service rund um das Auto.

Literatur:
/1/ https://fahrzeugmuseum-chemnitz.de/die-historische-hochgarage/
/2/ https://de.wikipedia.org/wiki/Stern-Garagen
/3/ http://www.moebelladen-chemnitz.de/wir.html
/4/ https://www.welt.de/newsticker/news3/article109208114/Wo-Autos-vor-langer-Zeit-Fahrstuhl-fuhren.html
/5/ Leonard Bartsch, Industriedenkmäler in Chemnitz, Facharbeit Geschichte, Georgius-Agricola-Gymnasium, Chemnitz, 2015, S. 9ff, https://chemnitz-tourismus.de/fileadmin/medien/PDF/Facharbeit_Leonard_Bartsch.pdf

Die Webseiten wurden am 02.06.2019  abgerufen.

Das Gebäude steht in Chemnitz an der Zwickauer Straße  77.

Download der Printversion: 109_Chemnitz_Hochgarage_K55-2019