Das 1996 fertiggestellte Japan-Center im Frankfurter Bankenviertel hebt sich durch den überkragenden Dachaufbau von den übrigen Türmen ab. Auch die Fassade mit ziegelroter Natursteinverkleidung macht den Bau einzigartig.

 

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Frankfurt, Japan-Center: Die rote Natursteinverkleidung und der Dachüberstand suggerieren ein typisches Ziegelhaus mit aufgesetztem Spitzdach.

Natürlich haben auch Hochhäuser für gewöhnlich ein Dach. Doch meistens enden die Türme oben ohne sichtbaren Abschluss. Beim Japan-Center in Frankfurt ist das anders. Ein weit überkragendes Dach lässt die Vorstellung eines mit Dachziegeln gedeckten Spitzdaches aufkommen. Man beginnt die außen angebrachte Dachrinne zu suchen. Die in hellem Rot erscheinende, fein gegliederte Natursteinverkleidung lässt kurzzeitig die Illusion von Mauerwerk aufkeimen. Die kleinen, regelmäßig angeordneten Fenster verstärken den Eindruck noch. Der Archetyp von einem Haus, gemauert, einfach und mit einem aufgesetzten, spitz zulaufenden Dach. Doch weit gefehlt, es ist alles nur Illusion.

 

Der 115 Meter hohe Turm hat eine kubische Haube und einem Rand, der sich trichterförmig nach oben erweitert. Der Dachabschluss erinnert eher an eine japanische Kopfbedeckung als an ein deutsches Spitzdach. Die Fassadengliederung mit 1,80 Meter breiten Quadraten hat der Architekt Joachim Ganz nach eigenen Angaben aus der Form japanischer Tatami-Matten abgeleitet und die Grundform des Gebäudes insgesamt soll Assoziationen an eine japanische Laterne wecken. Architektursprache kann auf verschieden Weise interpretiert werden.

Mit dem Haus wurde 1996 die Neugestaltung des Taunustors begonnen. Es markiert den nordwestlichen Zugang in das Frankfurter Bankenviertel. Beauftragt wurde der Bau als neue Zentrale der japanischen Wirtschaft in Frankfurt, um der Stadt Düsseldorf als Japanzentrum in Deutschland etwas entgegenzusetzen. Doch das Engagement war zu schwach. Die Japaner blieben in Düsseldorf.

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In der Frankfurter Skyline muss man das Japan-Center schon suchen. Der charakteristische Turm mit Hut ist aber trotzdem gut zu erkennen.

Das Gebäude ist in seiner Form ein Solitär. Doch leider währte die Alleinstellung nicht sehr lange. Kurz nach Fertigstellung wurde der Bau bereits von dem in unmittelbarer Nachbarschaft stehenden und mehr als doppelt so hohen Commerzbank-Tower überragt. Zur Zeit entsteht direkt hinter dem Japan-Center ein weiterer, höherer Turm, der dem Gebäude die Schau stehlen wird.

Architektonisch gehört der Bau mit seiner feinteilig gegliederten Fassade als Nachzügler zum Stil der Postmoderne. Die charakteristischen Ziernägel an den Fassadenplatten sind sogar ein Zitat aus dem Wiener Jugendstil zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der Bau, der 2018 für 280 Mio. Euro den Besitzer wechselte, ist heute als Bürohaus vermietet. Hauptmieter sind die EZB und die Unternehmensberatung McKinsey. Leider ist nach dem Einzug der EZB das Restaurant im 25. Stock nicht mehr öffentlich zugänglich.

Das Japan-Center ist eines der auffälligsten Hochhäuser in Frankfurt am Main. Entworfen wurde es von dem Architekten Joachim Ganz aus dem damaligen Berliner Architekturbüro Ganz und Rolfes.  Das 28-geschossige Bürohaus markiert am Taunustor den nordwestlichen Zugang zum Frankfurter Bankenviertel. Es gilt als eines der schönsten Hochhäuser von Frankfurt.

Literatur:
/1/ https://de.wikipedia.org/wiki/Japan_Center
/2/ http://www.joachim-ganz.de/det-index-JAPC.html
/3/ http://www.fr.de/frankfurt/immobilien-in-frankfurt-japan-center-in-frankfurt-verkauft-a-1418728
/4/ https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=44273&template=bildanzeige
/5/ Dieter Bartetzko,  Architekturstadt Frankfurt, Chr. Belser Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2014, S. 51ff
Die Webseiten wurden am 17.06.2018  abgerufen.

Das Gebäude steht im Frankfurter Westend, Taunustor 2.

Download der Print-Version: 79_Japan_Center_Frankfurt_K40-2018