Für die Prada-Stiftung schafft Rem Koolhaas aus einem alten Fabrikgelände in Mailand ein Zentrum der Begegnung mit Menschen, mit Kunst und mit Kultur.  Dabei setzt er auf Altes, auf Neues, auf Bauhaus-Ideen und auf reines Gold.

Da sind sich zwei begegnet, die alles erreicht haben. Miuccia Prada hat in gut 30 Jahren aus einem Lederwarengeschäft in der Mailänder Innenstadt einen Milliarden-Modekonzern geformt. Und Rem Koolhaas hat mit seinem niederländischen Büro OMA von Peking bis New York ein preisgekröntes Projekt  nach dem anderen realisiert. Er gilt als einer der bedeutendsten Visionäre für moderne Architektur.

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Fondazione Prada in Mailand. Der Charme der alten Häuser kontrastiert mit dem vergoldeten Bau in der Mitte und dem als Speicher gestalteten, weißen Ausstellungsturm.

Für die Fondazione Prada haben sich die beiden eine alte heruntergekommene Schnapsfabrik in einem Industrieviertel in Mailand ausgeguckt. Diesmal sollte es anders werden. Nicht die oberste der oberen Preisklassen, in denen sich die Kollektion von Prada gewöhnlich bewegt und auch nicht die unnahbaren Stahl- und Glastürme moderner Hochhausskulpturen, wie das Zentrum des chinesischen Staatsfernsehens, mit dem das Büro von Koolhaas international bekannt geworden ist.

Ein gewachsenes Städtchen in der Stadt war der Anspruch, eine Stätte der Begegnung mit der Kunst der Prada-Stiftung als Ankerpunkt. Plötzlich war die marode Gebäudestruktur der alten Fabrik viel mehr als eine Kulisse. Die kleinen Kontorhäuser und auch das zentrale Gebäude der Produktion bekamen eine neue Funktion. Die Reihe der spitzgiebligen Lagerhäuser war ideal für kleine separate Ausstellungsräume. Etwas neues musste natürlich auch noch rein. Koolhaas ist ein Verehrer des Bauhaus-Architekten Mies van der Rohe und seiner Berliner Neuen Nationalgalerie. So verwundert es nicht, dass er in Anlehnung an diesen Bau eine große, gläserne Ausstellungshalle mitten in das Gelände integrierte. Zu dominant sollte die Halle nicht werden. Er versteckte den Bau hinter einer großen Spiegelfassade, die die alten Gebäude der Fabrik in die Fenster projiziert. Hier können sich die Besucher auch selbst begegnen.

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Fondazione Prada in Mailand. Den alten Turm der Schnaps-Destille ließ Rem Koolhaas vergolden.

Einen erkennbaren Neubau gibt es dann doch. Auf dem Platz des alten Getreide-speichers steht jetzt ein weißer Turm, der zwar die Form des Speichers nachbildet, aber in Inneren auf neun Etagen Ausstellungsfläche für die Kunst bietet.

 

Ein Kleinod ist das feine, historisch eingerichtete Café, neben einer Bibliothek und Veranstaltungsräumen. Und etwas wirklich besonderes sollte es auch geben. Also ließ Koolhaas das zentrale, alte Gebäude der Fabrik kurzerhand komplett vergolden, wie ein edles Stück Schmuck in der Stadt der Mode.

Der Niederländer Rem Koolhaas (geb. 1944) ist einer der einflussreichsten Architekten und Stadtplaner der Gegenwart. Mit seinem Büro OMA realisierte er große Projekte in allen Teilen der Welt. In Deutschland plant er gerade den neuen Campus für den Axel-Springer-Verlag  in Berlin. Koolhaas war Kurator der Architektur-Biennale 2014 in Venedig. Er ist Pritzker-Preisträger und hat eine Professur an der Harvard-Universität.

Literatur:
/1/ http://www.fondazioneprada.org/?lang=en
/2/ http://www.tagesspiegel.de/kultur/fondazione-prada-eroeffnet-in-mailand-im-wunderkammerland/11799008.html
/3/ http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/mailand-rem-koolhaas-baut-prada-museum-a-1028785.html
/4/ https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article140685418/Prada-fuer-Bauarbeiter-Migranten-und-Rentner.html
/5/ http://oma.eu/projects/fondazione-prada
/6/ https://de.wikipedia.org/wiki/Rem_Koolhaas
Die Webseiten wurden am 26.10.2017 abgerufen.

Herzlicher Dank an die Fondazione Prada für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Fotografien.

Die Gebäude stehen in einem Industriegebiet im Süden von Mailand, Largo Isarco, 2.

Download des Textes als PDF: I01_Milano_Fondazione_Prada_K27-2018